Archiv für Juni 2009

mein beitrag

zum contest zur schönsten urbanen todesursache: der langzeitpraktikant klopfte lustlos mit der radiergummieseite seines frischgespitzten bleistifts auf die tischplatte, während die liste der örtlichen fahrschulen auf seinem auch schon etwas älteren macbook hochgeladen wurde – wäre die internetverbindung, die er aus eigener tasche bezahlen musste „wir hamm genug traffic hier in der redaktion“ nicht schon quälend langsam, so hätte sein von bewerbungsschreiben prallvoller harddrive die geschichte langsam genug gestaltet – und dachte über seinen neuen auftrag nach. „eine geschichte über ältere mitbürger die ihren führerschein machen, aber fetzig, du weißt, anfang 20, dass ist die zielgruppe!“ so ein schwachsinn. niemand anfang zwanzig liest spack, dass magazin für kleinanzeigen und unterirdische musikantenstadel. aber irgendwo muss man die berufserfahrung ja herkriegen, ohne gibts nichmtmal ne hiwistelle. und überhaupt – immerhin bezahlen sie mir die bleistifte. nach zehn minuten taucht immerhin der header auf: pizzalieferservice. scheiße, verklickt. und das geht alles von meiner mittagspause ab. langsam fällt der kopf auf die tischplatte, auf der aus einem unergründlichen zufall gerade genau das gelingt, was in mühevollem gefrickel seit tagen misslingt: der bleistift bleibt aufrecht stehen. während die spitze des bleistifts beeindruckend schmerzlos durch die stirn dringt, fragt sich unser praktikant noch ob er photo booth anschalten soll- wäre ein spitzen myspace photo – aber dazu kommt es nichtmehr. eine befreundete grafikdesignerin hat immerhin die zeit eine kondolenzanzeige zu gestalten: in unseren herzen und auf facebook wird er ewig weiterleben. foucaultexperte und poet des alltäglichen, wir alle liebten seine blogeinträge. sie waren SO SCHÖN GESCHRIEBEN.

endlich.

übrigens, ich wüsste nicht, was einen sonst zum kommunismus disponieren sollte, wenn nicht der wunsch, sein leben zu genießen. klar, bei uns alten hanseln ist es schon nicht mehr hedonismus, sondern blanke verbohrtheit. aber das ist eine andere sache…

so lysis in der teils ermüdenden aber nichtsdestotrotz in weiten teilen lesenswerten diskussion, die sich hier über die lage im iran entspinnt. anlass war dieser blogbeitrag – der, zumindest meiner meinung nach, weit hinter dem zurückbleibt, was wendy sonst so von sich gibt – aber auch wenn man die seitenlangen diskussionen nicht lesen will und die beiträge uninteressant und verschwurbelt findet: in dieser nussschale präsentiert sich ein problem das so oft diffus wahrgenommen und so selten so offen angesprochen wird…

subjekt vs. erkenntnis, 3:2 n. V.?

hier also der angekündigte rundumschlag. um endlich mal in die pötte zu kommen, kein fertiges resultat, sondern der stotternde beginn einer polyse oder analemik, wie ihr wollt. also mitmeckern, kritteln und nachdenken – a project in the making. schreibt euch das in die poesiealben.

meine ist die längste
die geschichte macht revolutionäre und die machen die revolution und die schreibt dann geschichte. dass ist der äußterst seltene normalfall. wenn die geschichte nur blödsinn macht, dann ernennen sich die revolutionäre eben selbst und schreiben gedichte. und weil das beim abgeklärteren teil des publikums selten zu literaturkritik und weit öfter zu mildem spott führt, hat man so seine verteidigungsstrategien entwickelt. eine der weitverbreitetsten ist sich vom elend, den dummen, den übereifrigen, den wirklich bösen und dem prosaischen im allgemeinen abzugrenzen, indem man ihr notwendig anderes bewusstsein von der welt im allgemeinen und dem kapitalismus im besonderen als „verkürzt“ tituliert. das verschafft einem dreierlei befriedigung, in der die falschheit der formulierung aufscheint.
1. verkürzt ist dumm, ich bins nicht.
2. verkürzt kann man verlängern, also bleibt das aufklärerische ideal intakt.
3. was falsch endet, war falsch begonnen – man hätte es eben zuende denken müssen.
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ein kessel buntes und 30 geschmacksrichtungen pfefferminz

eigentlich hatte ich so große pläne, aber schon die erste station der gestrigen kneipentour zerschlug sie samt und sonders. insofern: in den letzten tagen aufgestöbert und für postenswert befunden:
rosarauschen dichtet über dichter – an dieser stelle nochma herzliches beileid wegen des geklauten laptops, meinen ipod hammse aber doch hoffentlich dagelassen?

schwer schlechtgelaunt wegen hochnotpeinlichen aktionen im rahmen des göttinger bildungsstreiks und noch peinlicheren stellungnahmen das internet durchstöbert und bei more action less tears einen wettbewerb zur auffindung der schönsten urbanen todesarten gefunden. da ich mich bisher nicht beteilige ist die beste bis jetzt:

Der Klassiker: Man binde sich einen Klavierdraht fest um den Hals und befestige das andere Ende sicher an einem stabilen Objekt. Nun reibe man sich die Hände mit extrem starken Kleber ein und man klebe sich die Hände seitlich an den Kopf. Der nächste Schritt, der etwas Überwindung kostet, ist der Sprung aus dem Fenster (wahlweise auch von einem Dach) in angebrachter Höhe. Hat man diese Anleitung korrekt ausgeführt, so bildet sich der Eindruck, man habe sich seinen eigenen Kopf abgerissen und alle Lacher sind sicher auf der eigenen Seite.*
* nicht zur Nachahmung empfohlen!

(anmerkung: is nich unbedingt urban – aber tot ist man danach in jedem fall)

von umberto eco ist nicht viel zu halten, aber classless hat sich die mühe gemacht, meine lieblingspassage aus dem foucaultschen pendel abzutippen, und da kann mein copyandpaste reflex nicht zurückgehalten werden:

>>Hör mal, Jacopo, mir ist noch was Gutes eingefallen: Zigeunerische Urbanistik.”
“Schön”, sagte Belbo bewundernd. “Ich dachte gerade an Aztekische Reitkunst.”
“Wunderbar. Aber tust du die jetzt in die Potiosektion oder zu den Adynata?”
“Mal sehen”, sagte Belbo, kramte in einer Schublade und zog ein paar Blätter heraus. “Die Potiosektion …” Er blickte auf und sah meine Neugier. “Die Potiosektion ist, wie der Name sagt, die Kunst des Suppeschneidens. Aber nicht doch, wo denkst du hin”, wandte er sich an Diotallevi, “die Potiosektion ist doch keine Abteilung, sondern ein Fach, wie die Mechanische Avunculogratulation und die Pilokatabase, beide in der Abteilung Tetrapilotomie.”
“Was ist Tetralo …”, fragte ich zögernd. “Die Kunst, ein Haar in vier Teile zu spalten. Diese Abteilung enthält die Lehre unnützer Techniken, zum Beispiel die Mechanische Avunculogratulation, die lehrt die Konstruktion von Maschinen zur Tanten- und Onkelbeglückwünschung. Wir schwanken noch, ob wir auch die Pilokatabase in diese Abteilung einordnen sollen, das ist die Kunst, um ein Haar zu entwischen, was ja nicht ganz unnütz ist, oder?”
“Ich bitte Sie, sagen Sie mir doch endlich, wovon Sie da eigentlich reden!” flehte ich.
“Ganz einfach, Diotallevi und ich projektieren eine Reform des Wissens. Wir planen eine Fakultät der Vergleichenden Irrelevanz, in der man unnütze oder unmögliche Fächer studieren kann. Die Fakultät zielt auf die Reproduktion von Gelehrten mit der Fähigkeit, die Anzahl der irrelevanten Disziplinen ad infinitum zu steigern.”< <

fireandflames entwickelt rearwindowtendenzen und findet manchmal sogar dinge, die nichts mit fußball zu tun haben…

in einem buch, welches zu lesen ich mich selber nötige, fanden sich sehr groteske randnotizen, welches mich an folgendes älteres schriftstück meiner selbst erinnerte:

der student kommt sich besonders studentisch vor, wenn er einen grossen stapel buecher auf einem tisch liegen hat. in einzelnen buechern, in besonders studentischen phasen auch in mehreren, blaettert er dann interessiert herum. sein gesicht ist dabei angespannt und doch voller ruhe, eine ruhe die nur dann unterbrochen wird, wenn er einen gedanken hat. dann huscht ein seltsames blitzen ueber sein gesicht und der student wird aktiv. im guenstigen fall schreibt er dann etwas belanglos-schlaues auf einen zettel und faengt an alle seine buecher auf einmal zu durchblaettern. das hab ich doch, das wird doch – im unguenstigen fall nimmt er seinen stift zur hand und schreibt eine anmerkung in das buch. das ist schlimm aus zweierlei grund:
der kleinere ist, dass er es dann fuer eine markierung haelt. der arme autor hat vielleicht einen unueberlegten nebensatz eingestreut, doch unser edler ritter auf dem schlachtfeld des wissens erklimmt jetzt den feldherrenhuegel um gegen jede misinterpretation des jetzt eroberten autors ins feld zu ziehen. seine saetze in der hausarbeit werden viele „besonders deutlich wird jene tendenz wenn“ paraphrasierungen beinhalten. immer wenn er das buch jetzt durchblaettert, wird er von markierung zu markierung springen. sein einfall ist jetzt der des autors und unser held liest sich ein ums andere mal selbst. stolzgeschwollen. im prinzip hat er jetzt schon ein buch geschrieben…
der groessere ist, dass das buch vermutlich aus der buecherei ist. dort wird ein anderer es aus dem regal nehmen und sich damit in ein cafe setzen um studentische dinge zu tun, was sein quasi urstudentisches recht ist. aber dort werden seine augen wie von zauberhand gefuehrt von anmerkung zu anmerkung, von markierung zu markierung fliegen. zu seinem und der nachwelt aerger wird er nicht so viele gedanken haben, weil von all den gedanken die ein buch enthaelt jetzt ganz wenige und die auchnoch falsch in grellgelb in das wehrlose blickfeld springen. liebe leihbuecherei nutzer und an antiquariate verkaeufer. wenn jemand sich ein buch des herrn maynard keynes besorgt, wen moechte er dann lesen? den herrn maynard keynes. mitnichten den johnathan dano, dem das buch laut stempel zuerst in die haende gefallen ist! eine ausnahme moechte ich machen: wenn herr jonathan dano eines tages sehr beruehmt werden sollte, weil er undurchbrennbare gluehbirnen erfunden hat oder er ein exzellenter fussballer geworden ist (einen friedensnobelpreis, also eine auszeichnung die man mit al gore und arafat teilen muss, goenn ich nochnichteinmal einem anstreicher), dann koennte mein buch rapide im wert steigen. das waere dann eine entschaedigung dafuer, dass ich herrn keynes sein notwendig falsches bewusstsein nicht nachweisen konnte, weil herr dano schon herausgefunden hatte, dass keynes eine wahnwitzig spannende monetaertheoretische formel von friedmann antizipiert hat.

anmerker, verrecke!

so. und nun werde ich mich doch an arbeitsähnliche vorhaben wagen – sollten diese wider erwarten von erfolg gekrönt sein, reichen meine zigaretten noch aus, um mich unter umständen doch an den text zur kritik der verlängerten kapitalismuskritik zu machen, der seit tagen seiner realisierung harrt…

unterminated – keine erlösung. nirgends.

terminator IV – die erlösung gehört ja zu den filmen, die man sehen muss. unsicher, ob man nun schamgesenkten hauptes ins kino schleichen soll, will man sich doch nicht als einer outen, der die teile 1-3 gesehen hat, obwohl die specialeffects veraltet waren und diejenigen, die mit gutem gewissen auf den kultfaktor pochen können, entweder 3 jahre älter oder 5 jahre jünger sind als man selber, oder ob man, in einer art vorwärtsverteidigung, alle freunde anrufen und ihnen mitteilen sollte, dass man sich jetzt TERMINATOR angucken geht – und irgendwie weiß man auch von vorneherein, dass der film die 115 minuten nicht unbedingt so ausfüllen kann, dass man währenddessen wirklich vergisst, in welche tiefen man sich begibt. und ja: er kann es nicht. er ist sogar ausgemacht schlecht. nun sind 4 euro auch nicht unbedingt zu viel verlangt, wenn man wissen will, wo terminator V ansetzen wird und man nicht zu denjenigen zeitgenossen gehört, die einen zweistündigen detonationskrampf lieber auf einem zu kleinen bildschirm vor sich hinruckeln lassen – währenddessen kann man ja all die kleinen elemente zusammensuchen, mit denen pseudointellektuelle sich vormachen der film werfe „interessante fragen“ auf. wenn man das dann noch in seinem solipsistisch-narzisstischen öffentlichen tagebuch veröffentlicht, dann kommt es einem sogar so vor, als hätte man „was geschafft“. well, here we go:
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