antidenglisch

vor den olympischen spielen in peking wurden auf anweisung der stadtverwaltung zahlreiche originelle englische übersetzungen auf schildern durch korrekte(-re) übertragungen ersetzt. hieß es vorher:

„To take notice of safe: The slippery are very crafty“

liest der besucher heute:

„caution, slippery path“

trotzdem hält sich das sogenannte „chinglish1“ hartnäckig und sorgt für verwirrung, amüsement und arbeitsplätze in der fremdenführer- und schildermalerbranche. weniger stark beachtet, teils genauso lustig immer aber verwirrend, ist, was ich gerne antidenglisch2 nennen würde. strategisch scheint sich die verwendung antidenglischer slogans und überschriften aus mehrerlei quellen zu speisen. entweder klingt die forderung auf deutsch so dämlich, dass man sie lieber hinter einer anderen sprache versteckt oder man will gezielt niemanden ansprechen der einen sonst verstehen könnte oder man meint cooler und weltgewandter rüber zu kommen, wenn man ganz poppy3 auf antidenglisch schreibt. da man sich ja aber überwiegend mit anderen deutschsprachig aufgewachsenen auseinandersetzt, macht es ja nix, dass die grammatik mit dem holzhammer aus dem deutschen ins englische geprügelt wird und die vokabeln augenscheinlich grundsätzlich nichtmal auf leo.org gegengecheckt werden – wie viele englischsprachige genossInnen vermutlich deshalb schon an augenkrebs gestorben oder sich einfach nur totgelacht haben, wird wohl für immer im dunkeln bleiben – dennoch möchte ich im gedenken an diese hier eine sammlung veranstalten: posted die lustigsten verirrungen antideutschen sprachsalats und gewinnt eine tolle überraschung! gerne mit bild und/oder quelle, im notfall auch ohne. hier zwei beispiele zum warm werden:

„push your head towards the air“

was das heißen soll, ist v.a. im zusammenhang mit dem darauffolgenden eintrag, der sich nicht mit dem gaza-krieg befasst, wohl aber damit, dass man recht hat, völlig unklar.

„one time to many“

beide gefunden in der antidenglischen fundgrube „cosmojl“4

  1. 1. nicht zu verwechseln mit dem pidgin-englisch der chinesischstämmigen einwandererInnen in den USA 2. für all euch freundInnen der seichten unterhaltung: auf http://www.flickr.com/groups/chinglish/pool/with/3839785213/ findet ihr über 3000 (!) bilder von den originellsten chinglishen fundstücken. [zurück]
  2. nun gibt es leider, wie ich mittlerweile herausgefunden habe, sprachnazis die sich dem sogenannten anti-denglisch verschrieben haben und die deutsche sprache reinhalten möchten. von dergleichen widerlichkeiten distanziere ich mich meilenweit. mein hohn und spott gilt jener sich gebildet gebärdenden halbbildung die sich mit einem wörterbuch in der hand über ihr publikum erhaben fühlt… ansonsten befürwortet weltgeist anglizismen, sprachmutationen und schreibweisenfreestyle. [zurück]
  3. „poppy“ heißt mohnsamen und nicht wie hier impliziert poppig. jener antidenglismus begegnete mir vor einigen monaten in einem interview… [zurück]
  4. sein freund und genosse „combatpourliberte“ muss leider draußen bleiben, obwohl dieser ja schon mit dem namen seines blogs etwas neues einführt. nennen wir es antidrancais…. [zurück]

12 Antworten auf “antidenglisch”


  1. 1 fireandflames 23. August 2009 um 22:50 Uhr

    Some highlights that immediately come to mind…
    „Lets kick up the Nazi aufmarsch“ (Erfurt)

    Not from antiDs, but still a great classic:
    „Alarm – Wake Up – Help“ (sign at some G8 camp).

    Makes sense if you think about it, but its anything except English.

  2. 2 crtl 26. August 2009 um 11:52 Uhr

    da habe ich auch was tolles, aber leider auch nicht aus dem gefragten lager… dafür von einem tollen älteren fire-and-flames-t-shirt, welches mal jemand hier in der wohnung hat liegenlassen und dass seitdem von mir fleissig als schlafanzug getragen wird:

    „The only force stronger than the love for freedom, is the hatred towards they who kill it.“

    kleiner tipp: der fehler ist grammatischer natur! und das komma ist auch falsch! juchhu!

    aber hey, der liberale sprachwissenschaftler in mir muss hier nochmal kurz auf die regressiven tendenzen dieses beitrags hinweisen. die sprach in ihrem lauf hält weder ochs noch.. naja, schon klar.

  3. 3 crtl 26. August 2009 um 12:30 Uhr

    ach, bevor ich jetzt lernen gehe, poste ich dann hier doch mal was, um den harmlosen spass etwas zunichte zu machen:

    ich finde das lustig machen über solche englisch-artefakte immer nur im ersten moment witzig.
    sprache ist ja kein noch in folie verpacktes werkzeug, was irgendwo herumliegt und dann von leuten in die hand genommen wird um irgendwelche aufgaben zu erfüllen, sondern passiert hauptsächlich in den köpfen der menschen – grade englisch als ehemalige kolonialsprache hat seit seiner etablierung als amtssprache in den verschiedenen weltteilen jeweils unterschiedliche und große entwicklungen durchgemacht, mit dem ergebis, dass es inzwischen überall auf der welt in verschiedenen varianten vorliegt, die zum teil gegenseitig unverständlich sind – das englisch in südafrika ist anders als das in nigeria, das englisch in singapur ist anders als das in hongkong, australien oder den USA.
    die exotisch und falsch anmutenden artefakte wie die oben zitierten chinesischen-englischen straßenschilder sind mitunter dokumente von englisch-varianten, die vor ort vielleicht als vollkommen korrekt und verständlich – und somit als akzeptabel und richtig – verstanden werden.

    in südafrika gibt es leute, die verkehrsampeln „robots“ nennen, und in australien verstehen einen die leute, wenn man einen grillabend als „barbie“ bezeichnet – wer darüber lacht sind dann meist die unwissenden europäer, die ihr schulenglisch für ewig und richtig halten.

    nichts desto trotz ist das natürlich was anderes als die sprachakrobatiken der anglophilen deutschen, die mit dem selben selbstverständnis solche dinge produzieren, die dann keiner mehr versteht.
    aber für seine schulbildung kann man ja auch nur bedingt was.

  4. 4 fireandflames 26. August 2009 um 14:03 Uhr

    naja…grammatik fehler gibts bei Fire and Flames mehr als genug, als gescheiterte journalismus student (und dass aus finanzielle grunden, trotz meine angeblichen „super rich“ status….crazy shit!) bin ich etwas sensibel damit. sowas ist gar nichts schlimmes (weder bei uns noch bei anderen)….unsere sind nur in der regel nicht ganz so lustig wie manche anderen und führen nicht dazu dass es unverständlich wird („push your heads towards the sky“??!!).

    aber…für das „peace and love“ shirt übernehme ich keine verantwort…ist schliesslich von ein grafitti aus Genoa. :-)

  5. 5 crtl 26. August 2009 um 16:03 Uhr

    ja, ey das mit dem kopf und dem himmel habe ich auch erst nicht verstanden… nachforschung ergibt, dass es sich dabei wohl um einen falsch erinnerten editors-songtitel handelt: „push your head towards the air“ – das klingt für meine ohren erstma genauso falsch, aber da die editors-leute ja engländer sind, scheint man das zumindest so sagen zu können.

    titel und artikel werden dadurch aber nicht zusammengehöriger…

    ich hätte gerne noch mehr witzige versuche am genre des verschlagenen anglizismusses auf lager, aber diese ganzen blogs zu lesen is immer so anstrengend..

  6. 6 crtl 26. August 2009 um 16:33 Uhr

    oh, ironie. songtitel und blogpost „push your head towards the air“ sind identisch. damit ists wohl irgendwie nicht mehr ganz so falsches englisch:-)

  7. 7 crtl 26. August 2009 um 16:40 Uhr

    wird noch besser: „one time to many“ ist ein songtitel der französischen band phoenix. irgendwie wird der vorwurf, dass leute sich einbilden ganz toll englisch zu können und dann aber falsches englisch benutzen grad noch mal viel witziger …

  8. 8 Administrator 28. August 2009 um 15:18 Uhr

    und am ende war „let’s kick up naziaufmarsch“ ein dead-kennedys-titel? nein, mal im ernst: dein einwand war ja ganz berechtigt – und auf irgendeinem ach-so-richtigen englisch zu beharren bringt einen nicht nur nicht voran, sondern ist auch irgendwo peinlich. aber: sowie das chinglish kein englisch ist das irgendwer versteht, sondern einfach der versuch etwas für touristen verständlich zu machen in dem man es wort für wort überträgt – so meinte ich mit antidenglisch die kunst seine eigene botschaft bildungsbürgerlich-poppig ins völlig unverständliche zu drehen – und das gilt, in meinen augen (vielleicht müsste ich die lieder mal hören – phoenix sind allerdings bekannt für ihr hundsmiserables englisch), für die gegebenen beispiele immernoch.

  9. 9 crtl 30. August 2009 um 21:46 Uhr

    also für mich siehts eher so aus als wolltest du dich über die (vermeintlichen) fehlleistungen anderer lustig machen und dir selbst noch etwas auf die schulter klopfen.

  10. 10 Administrator 31. August 2009 um 8:21 Uhr

    naja, der eindruck ist, zumindest wenn man den ganzen kram nochmal durchliest, ja auch mehr als verständlich. und in der tat hast du mich ja auch erfolgreich an den fakten blamiert – ich lass allerdings auch erwiesene peinlichkeiten stehen (das jetzt zu löschen fänd ich auch irgendwie würdelos). dass ich auf einem aspekt beharre nach dem ich immernoch recht hab, dient weniger dem schulterklopfen als vielmehr einem „whats left“ – das nächste mal müssen meine klugscheißereien also ausführlicher auf wikipedia vorbereitet werden. chapeau!

  11. 11 das peterle 08. September 2009 um 9:02 Uhr

    Mal abgesehen davon, dass Leute sich auch im Deutschen die lustigsten Konstruktionen ausdenken und solche Dinge ja auch regional sehr variieren (nach, zu oder bei Aldi gehen?), könnte man das antidenglish nicht besser german pidgin nennen? Dann ist das auch nicht mehr böswillig. Und falsch? Mein Gott, nicht einmal die FAZ kann mehr deutsch, also bitte.

  12. 12 Administrator 08. September 2009 um 10:42 Uhr

    @peterle: mal ab davon, dass ich mich mit diesem beitrag ja ohnehin schon zum amtlichen vollhorst gemacht hab: darum ging’s garnicht. dass jemandes englisch murx ist, kann zwar lustig sein, ist aber in der tat kein grund für böswilligen spott – worum es ging (und wofür ich die falschen beispiele hatte, siehe crtl’s kommentare oben), waren aus „fashionpolitics“ gründen anglisierte slogans von antideutschen, die also englisch ein deutsches publikum adressieren und dann auch noch danebenhauen. wie eben „let’s kick up naziaufmarsch“ in erfurt – pidgin wär das vielleicht wenn es sich an englischsprachige richtet und kommunikation ermöglichen soll, statt sie unnötig zu erschweren.

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