Archiv für September 2009

unter dichtern.

gegen deutschland helfen keine gedichte, das schreibt die antifa ‚f‘ und auch sonst mehr als eine seite voll. nun ließe sich daran einiges kritisieren – zum beispiel warum sie dann eines schreiben, oder: wenn sie schon eines schreiben, warum dann nicht gegen deutschland, sondern – nehmen wir die schlussparolen ernst – gegen den standort europa? aber das sollen andere tun oder auch bleiben lassen. denn andere akteure haben sich in das handgemenge begeben und um diese ist es mir hier zu tun. die gruppe sinistra, selbsternannte antagonistische assoziation, hat anstoß an dem text genommen und führt (sehr zum leidwesen von ads-lern wie mir) das lang und breit aus. stören tut sie dreierlei:
1. beschimpft worden zu sein. wer will schon gerne gesagt bekommen:

Abgeschlossen von allem, kultiviert der arme Poet in der Dachkammer seiner Intellektualität, Empfindsamkeit und Gelehrigkeit, nur sich selbst und der Wahrheit verpflichtet

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das ist sehr hässlich und platt obendrein: die ad’s derart zu psychologisieren erspart einem das phänomen politisch einzuordnen und dementsprechend zu beurteilen (liberale scheinen in der welt der ‚f‘ eher schlechte kommunistInnen, die es eben nicht jerafft hamm, als politische akteure mit bewusstsein und interessen zu sein) und ist deswegen höchstens die halbe wahrheit (und nicht unbedingt ihr interessantester teil) allein, daraus auf antiintellektualismus zu schließen, wie es die sinistren antagonisten tun:

Bemerkenswert auch der explizit gemachte Antiintellektualismus der, ihr Fußvolk gerne im Schlägermilieu Frankfurter Hooligankreise rekrutierenden und auch bislang eher durch das Anzünden von Mülltonnen als durch ausgefeilte theoretische Positionen aufgefallenen, Antifagruppe: Die Antideutschen sind für sie in der »Dachkammer ihrer Intellektualität« hockende »Fans der reinen Theorie«, deren Debatten »endlos um sich selbst kreisen« und deren »lebenslanges Lernen« Ausfluss eines »neoliberalen Imperativs“ sei. Dieser ungelenke Versuch, theoretische Arbeit als überflüssig abzutun und die interessierte Verwechslung von dumm-bleiben-wollen mit einer Kritik des Neoliberalismus, erstaunen nicht, müssen doch diejenigen Menschen, die angesichts der deutschen Zustände breiten Volksbewegungen skeptisch gegenüberstehen, denjenigen, die mit »Um’s Ganze« und der sinnbefreiten Parole »Staat.Nation.Kapital.Scheiße.« gerade den Schulterschluss mit Masse, Pöbel und Mob suchen, naturgemäß suspekt erscheinen.

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ist mindestens genauso dämlich. aber aufschlussreich: ganz en passant geben die sinistrae hier nämlich widerlichst-elitäre plattitüden zum besten. hooligans, schläger, mülltonnen anzünden statt argumente – das klingt vermutlich nicht zufällig so, wie auch die zahnarztblätter Zeit und FAZ autonome charakterisieren. btw: wer ist dämlicher? um’s ganze, wenn die wirklich glauben das „staat.nation.kapital.scheiße“ ihnen die mehrheit erschließt, oder die sinistra wenn sie das ernstnehmen? und das von der ‚f‘ angesprochene beharren auf der reinen theorie wird gleich mitbestätigt:

Genausowenig wie »Um’s Ganze« und ihr Frankfurter Ableger in der Lage sind, die Marx’sche Wertformanalyse, geschweige denn den Fetischcharakter der Ware auch nur im Ansatz zu begreifen…

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liebe sinistra, die durchdringung des fetischcharakters der ware mag beim verständnis von so vielem hilfreich sein, allein, es ist keine vorraussetzung sich zu irgendwas zu äußern. solltet ihr der meinung sein ein fehler in der argumentation des textes hätte etwas mit dem mangelnden verständnis des fetischcharakters zu tun, dann sagt doch einfach warum. sonst isses n‘ bisschen peinlich.
was der text der ‚f‘ einfordert(und nicht leistet), nämlich eine theorie die zumindest auf eine praxis dringen will, ist allerdings nicht antiintellektualistisch sondern the one and only marxistischer gemeinplatz.
2. dass die ‚f‘ die ausschwitzkeule schwänge -
ohne das hier am text belegen zu wollen (ads) – sie tut es nicht. die wortwahl ist mitunter peinlich (was soll das mit dem bus?) und der analytische gehalt nicht unbedingt überragend – aber das was von der sinistra zusammensalbadert wird, haut dem fass den boden aus:

In dieser sich »revolutionär« und»auf der Höhe der Zeit« dünkenden Gruppe ist man sich mit Mami, Papi, Opi (Eisernes Kreuz mit Eichenlaub) und Omi (Mutterkreuz) einig, dass es mit dem endlosen Rumbohren in der deutschen Geschichte doch endlich mal gut sein müsse: »So will die antideutsche Linke diesem Staat immer noch mit Verweis auf die besonderen Verbrechen seiner Geschichte an den Kragen und flaggt wohl auch im Saarland und in Leipzig wieder Israel, bzw. Alliiertenfahnen aus dem Zweiten Weltkrieg als Zeichen ihrer ›kompromisslosen Ablehnung‹ Deutschlands«

gefordert wird, dass die kritik mehr muss. daraus geschlossen wird, dass sie das erste nicht mehr will. der feststellung, dass man deutschtümlern inzwischen mit dem verweis auf den industriell organisierten massenmord an den juden und jüdinnen oft nicht mehr den wind aus den segeln nehmen kann wird opis eichenlaub umgehängt – das ist kein argument, das ist kein gedicht, das ist einfach unredlich.
3. dass die ‚f‘ dem arbeitermarxismus fröne.
das tut sie leider nicht, darf sie aber auch nicht. denn wie die sinistrati einleitend feststellen:

Zumindest dem klügeren Teil der deutschen Linken blieb die unbequeme Tatsache nicht verborgen, dass das »einfache Volk«, das lange Zeit als Hoffnungsträger für revolutionäre Träume gehandelt wurde, auf der anderen Seite der Barrikade steht und eine auf Emanzipation gerichtete Politik die deutsche Bevölkerung nicht zur Verbündeten hat, sondern notwendig gegen die Mehrheit in diesem Land gerichtet sein muss

wenns hart auf hart kommt, dann kennt die sinistra keine parteien, keine klassen, sondern nur den mob. die mehrheit. alles was man nicht ist, in a nutshell. das ist der satz gewordene verzicht auf jede erkenntnis – wie zur hölle will man ein
„nationales kollektiv“ denn aus den angeln heben, wenn man die widersprechenden tendenzen und interessen nichteinmal mehr benennen will?
soweit, so ekelhaft. irgendwie tröstlich, dass die texte so verklausuliert sind, dass sie eh‘ kaum jemand liest.

  1. http://www.no-racism.mobi/?page_id=439#_ednref1 [zurück]
  2. http://sinistra.copyriot.com/?p=547 [zurück]
  3. sinistra [zurück]

neueste prognose:

gegelte jungmänner in hellblauen hemden und schmallippige frauen in flotten blusen stellen mehrheit in deutschland.

amerikanische übermenschen, das schicksal und fragen der menschheit

freund wendy befürchtet, dass die umtriebige hormonmafia den pittsburgher genossen im essen rumfuhrwerkt. liest man den bericht der zeit, scheint es sich allerdings eher um zaubertrank gehandelt zu haben:

Ein Schwarzer Block schleuderte Müllcontainer in Richtung der Sicherheitskräfte, die mit insgesamt 4000 Mann während des Weltfinanzgipfels im Einsatz ist.

aber gegen diese ungetüme, die in wort und tat gegen alle regeln des rechtsstaats verstoßen, wird glücklicherweise mit entsprechender härte vorgegangen:

Auf einem Plakat stand: «Ungehorsam ist wichtig für die Demokratie.» Über Verletzte wurde zunächst nichts bekannt. Bereits in den vergangenen Tagen hatte die Polizei wiederholt Aktivisten, die unter anderem mit großen Plakaten gegen den Gipfel demonstrierten, festgenommen.

währenddessen füllt sich das verlängerte göttinger sommerloch mit ihm angemessenen inhalten. auf monsters wird die frage „wählen ja/nein“ kontrovers von der grünen jugend, solid und der redical“m“ diskutiert. outcome so far: zwei ja und ein vielleicht, was neues soweit nicht. wirklich lustig hingegen – der letzte satz eines kürzlich gehaltenen redebeitrags letztgenannter:


Auch wenn wir wissen, dass unsere Kritik eine radikale ist, also darauf angelegt ist, eine langfristige Perspektive der Befreiung zu eröffnen: Die Behörden können sich schon einmal auf einen heißen Herbst gefasst machen…

na, dann ist ja gut. und auch ich beschäftige mich mit langfristig angelegten theoretischen fragen ohne dabei die kurzsichtigen perspektiven aus den augen zu verlieren…

in memoriam

patrick swayze

lustig.