Archiv für November 2009

einer muss es ja machen…

hier also die erklärungen der der gruppe kritikmaximierung hamburg:
(via rhizom)
einfach mal so zur kenntnisnahme. ach ja, und bevor euch beim abgehen was abgeht: zu eurem verhalten verhalte ich mich frühestens morgen.

stalinist sein mit den klassikern 2.:

Freiheit ist ein großes Wort, aber unter dem Banner der Freiheit der Industrie wurden die räuberischsten Kriege geführt, unter dem Banner der Freiheit der Arbeit wurden die Werktätigen ausgeplündert. Dieselbe innere Verlogenheit steckt im heutigen Gebrauch des Wortes „Freiheit der Kritik“. Leute, die tatsächlich davon überzeugt sind, daß sie die Wissenschaft vorwärtsgebracht haben, würden nicht Freiheit für die neuen Auffassungen neben den alten fordern, sondern eine Ersetzung der alten durch die neuen. Das jetzt laut gewordene Geschrei „Es lebe die Freiheit der Kritik !“ erinnert allzusehr an die Fabel vom leeren Faß.

Wir schreiten als eng geschlossenes Häuflein, uns fest an den Händen haltend, auf steilem und mühevollem Wege dahin. Wir sind von allen Seiten von Feinden umgeben und müssen fast stets unter ihrem Feuer marschieren. Wir haben uns, nach frei gefaßtem Beschluß, eben zu dem Zweck zusammengetan, um gegen die Feinde zu kämpfen und nicht in den benachbarten Sumpf zu geraten, dessen Bewohner uns von Anfang an dafür schalten, daß wir uns zu einer besonderen Gruppe vereinigt und den Weg des Kampfes und nicht den der Versöhnung gewählt haben. Und nun beginnen einige von uns zu ruf en: Gehen wir in diesen Sumpf! Will man ihnen ins Gewissen reden, so erwidern sie: Was seid ihr doch für rückständige Leute! und ihr schämt euch nicht, uns das freie Recht abzusprechen, euch auf einen besseren Weg zu rufen! – O ja, meine Herren, ihr habt die Freiheit, nicht nun zu rufen, sondern auch zu gehen, wohin ihr wollt, selbst in den Sumpf; wir sind sogar der Meinung, daß euer wahrer Platz gerade im Sumpf ist, und wir sind bereit, euch nach Kräften bei eurer Übersiedlung dorthin zu helfen. Aber laßt unsere Hände los, klammert euch nicht an uns und besudelt nicht das große Wort Freiheit, denn wir haben ja ebenfalls die „Freiheit“, zu gehen, wohin wir wollen, die Freiheit, nicht nur gegen den Sumpf zu kämpfen, sondern auch gegen diejenigen, die sich dem Sumpfe zuwenden!

lenin, „was tun“, kapitel 1a

gemischtwahrheitenhandel

samstag im dorf
bewaffnete gewalttäter aus dem ganzen bundesgebiet machten göttingen wie erwartet zu einem ziemlich unheimeligen plätzchen. die dreistigkeit jedoch, mit der sie ihrem auf krawall und großevents, sowie einschüchterung andersdenkender, beschränkten konzept versuchen politische gründe unterzuschieben, erstaunt selbst den weltgeist immer wieder. sonst noch was? ach ja, die befürchteten innerlinken gewaltexzesse blieben wohl doch etwas hinter den gebildeten erwartungen zurück.
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vorletzte woche im dorf
die kirchturmspitze ist wieder aufgetaucht. dem bekennerschreiben nach zu urteilen waren weder gewinnstreben noch kirchenkritik maßgebend, sondern einzig und allein der alkohol. schade.
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weltweit, immer
gibt es doch immer wieder zartbittere kuriositäten die es sinnvoll erscheinen lassen reportagen zu schreiben, dieses gnadenlos überschätzte genre des erfahrungsverhinderungsjournalismus. besonder schön der kommentar eines gewissen „joe cardinal“– „The best thing about Catholic is that you can participate in spiritual life IF YOU WANT TO. It isn‘t rammed down your throat“ das ist zu lustig um absicht zu sein…
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mein wohnzimmer, gestern
nachdem ich es dann doch endlich mal geschafft habe mir „marx und engels intim“ anzuhören war ich in der tat ein wenig perplex. noch perplexer war ich allerdings als ich in der FAS lesen durfte, die spd hätte sich nach dem 2. weltkrieg von marx und engels verabschiedet, weil sie ein bekanntwerden seiner antisemitschen/judenfeindlichen äußerungen fürchtete. als ob man nach dem niederkarteschen der räterepubliken noch soviel gesicht gehabt hätte, dass man wegen sowas verlustängste hätte haben müssen. dagegen wirkte ja selbst der artikel über sarah wagenknecht als „die schöne stalinistin“ geradezu hirnklar.
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weltweit, wirtschaftsteil
die geldbasis des dollar hat sich im letzten jahr verdreifacht, die des euro nahezu verdreifacht – von wegen krise vorbei und so. für gänzlich geldmengentheorie unbewanderte: hinter den zirkulierenden zahlungsmitteln einer volkswirtschaft steht immer eine, wesentlich kleinere, geldbasis. das ist die menge wechselgeld, die von der zentralbank gedruckt, und momentan verschenkt, wird. wenn nun bei einer unwesentlich verschiedenen wertschöpfung (im vergleich zu präkrisenzeiten) das preisniveau nicht vollkommen durch die decke schießt dann lässt das zwei schlüsse zu: entweder die banken trauen sich immernoch nicht über den weg und nähen all ihr geld in kopfkissenbezüge (was bei banken ziemlich unwahrscheinlich ist), oder das billige geld fließt in einen hochspekulativen blasenmarkt, der die durchschnittsrenditen für einen begrenzten zeitraum wieder in ein nichtkrisenhaften toleranzrahmen hebt – bis es noch lauter kracht.
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campus, immernoch
engagierte studentInnen haben irgendwas besetzt. was genau? ich trau mich nicht es auszusprechen…
. genau! vergesellschaftet die eh‘ schon zu eurer kostenlosen verfügung stehenden teile der reproduktionsmöglichkeiten, die den schweinen möglichst weit am arsch vorbeigehen!
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blog, meiner
meldet sich die tage mal wieder strukturierter. aber wie ihr seht: es ist alles so schrecklich aufregend hier…

stalinist sein mit den klassikern 1.:

Alle Sozialisten sind einer Meinung darüber, daß der politische Staat und mit ihm die politische Autorität im Gefolge der nächsten sozialen Revolution verschwinden werden, und das bedeutet, daß die öffentlichen Funktionen ihren politischen Charakter verlieren und sich in einfache administrative Funktionen verwandeln werden, die die wahren sozialen Interessen hüten. Aber die Antiautoritarier fordern, daß der autoritäre politische Staat auf einen Schlag abgeschafft werde, bevor noch die sozialen Bedingungen vernichtet sind, die ihn haben entstehen lassen. Sie fordern, daß der erste Akt der sozialen Revolution die Abschaffung der Autorität sei. Haben diese Herren nie eine Revolution gesehen ? Eine Revolution ist gewiß das autoritärste Ding, das es gibt; sie ist der Akt, durch den ein Teil der Bevölkerung dem anderen Teil seinen Willen vermittels Gewehren, Bajonetten und Kanonen, also mit denkbar autoritärsten Mitteln aufzwingt; und die siegreiche Partei muß, wenn sie nicht umsonst gekämpft haben will, dieser Herrschaft Dauer verleihen durch den Schrecken, den ihre Waffen den Reaktionären einflößen. Hätte die Pariser Kommune nur einen einzigen Tag Bestand gehabt, wenn sie sich gegenüber den Bourgeois nicht dieser Autorität des bewaffneten Volks bedient hätte? Kann man sie nicht, im Gegenteil, dafür tadeln, daß sie sich ihrer nicht umfassend genug bedient hat?

Also von zwei Dingen eins: Entweder wissen die Antiautoritarier nicht, was sie sagen, und in diesem Fall säen sie nur Konfusion; oder sie wissen es, und in diesem Fall üben sie Verrat an der Bewegung des Proletariats. In dem einen wie in dem anderen Fall dienen sie der Reaktion.

friedrich engels

fundstück:

Unruhiger Abschluß des Himmelfahrtstages

In der Landeshauptstadt kam es in der Nacht zum Freitag zu schweren Zusammenstößen zwischen Passanten und Polizei. Als eine Gruppe angetrunkener Jugendlicher versuchte, in dem Brunnen vor dem Hauptbahnhof die Füße zu baden, sammelte sich eine größere Menschenmenge. Das Eingreifen der Polizei hatte zur Folge, daß diese Menschenmenge innerhalb von einer Stunde auf rund 10.000 Personen anwuchs. Als es der Polizei nicht gelang, die Massen zu zerstreuen, wurde eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei alarmiert und der Wasserwerfer der niedersächsischen Polizei eingesetzt. In dieser Situation begannen „Halbstarke“, harmlose Passanten anzupöbeln, Kraftwagen zu stoppen, diese zu beschädigen und den Versuch zu machen, die Wagen umzustürzen. Außerdem provozierten sie Schlägereien, in deren Verlauf die Polizei vom Gummiknüppel Gebrauch machte. Rund 40 Personen wurden in der Nacht vorübergehend festgenommen. Verletzt wurde niemand. Insgesamt waren zweihundert Polizisten eingesetzt.

in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 16./17. Mai 1953