Archiv für Juni 2010

pr0n auf weltgeist!

um die klicks zu mehren, aber auch weil man ja zwischendurch mal lachen sollte:

(via: rhizom)

die guten ins töpfchen, die schlechten ins köpfchen.

nach meiner roaring rampage gegen wochenzeitungen im allgemeinen und der zeit im besonderen sollte hier etwas selbstverständliches nicht verschwiegen werden: tageszeitungen sind in den meisten fällen keinen centimeter besser. im zeitungskiosk der wahl steht man wochentags vor der furchtbaren frage, welches verbrechen gegen sich und alles was einem heilig ist man begehen möchte, um das bedürfnis der zeitungslektüre zu befriedigen und den morgendlichen spaziergang zum zigarettenkaufen nicht allzu raucherschmachtmäßig aussehen zu lassen: die SZ, die keinen satz zu ende bringen kann, ohne „katastrophal“, „chaotisch“, „gigantisch“ und noch allerlei andere kraftausdrücke des bildungsbürgers zu verbraten? die JW, die nicht nur mitunter recht kryptisch den kampf zwischen reaktion und fortschritt, kapital und arbeit und weiß der kuckuck beschreibt ohne die akteure auch mal beim vor- und nachnamen zu nennen, was wegen der ebenfalls recht kryptischen rollenverteilung zwischen diesen, die sich aus der „analyse“ der redaktion ergibt, dazu führt, dass man bei einem artikel im auslandsressort mitunter nochnichteinmal weiß um welches land es geht, sondern vor allem einen unerträglichen sprachduktus pflegt? die FAZ, die in schönen, geraden und mitunter sogar informativen sätzen die vorhergenannten weit links liegen lässt? die lokalpresse, die weder schreiben noch recherchieren kann, aber immerhin die LOKALEN polizeipressemeldungen ungeprüft abtippt?
ABER: wie auch immer die wahl ausfällt, man geht zwar nicht unbeschädigt aus der situation, aber zumindest ohne TAZ in der tasche. das parteiblatt der grünen vereint auf kleinem raum zu hohem preis fast alle obengenannten nachteile mit den im letzten artikel angerissenen schwächen einer wochenzeitung. nun tauchte in meinen referers aber eine google-suche wiederholt auf, die meinen blog, aber eben auch einen tazartikel zu tage förderte, der unter dem schönen titel „Großmeister Toni trifft die Badiou-Zwerge“ eine fortsetzung der gesinnungshaftenden besinnungslosigkeit des assheuer-artikels versprach. und in der tat! auf kleinstem raum wird wiederholt, wofür assheuer eine ganze seite braucht:
das distanzierungsprogramm wird abgespult: „fehler und verbrechen der autoritären linken“, „antikapitalismus- und arbeiterklassen-kampfrhetorik“ – in den köpfen eines tazzisten scheint das so eng zusammenzuliegen, dass die vermutung naheliegt, der antikommunismus dieser geschmacksrichtung bourgeoisie käme demnächst auch ganz ohne antistalinistisches feigenblättchen aus. wie er denn zu haben sein soll, der kommunismus, wenn er nicht antikapitalistisch oder klassenkämpferisch erreicht werden soll? garnicht natürlich, aber so offen sagt man das dann doch nicht: denn man hat einen „kommunisten“ gefunden, der auf dem selben podium eine suppe präsentiert, die auch der taz schmeckt: toni negri. dass dessen analyse weniger „esoterisch“ daherkomme als die alain badious muss zwar als halbes argument herhalten, leuchtet aber vermutlich nur ein, wenn man entweder „empire“ nicht gelesen hat, oder sich in der grünen jugend das gehirn weggekifft hat. vermutlich ist es eher so: die „moderne globalisierungs- und kapitalismustheorie“ negris, also der begriffsbuddismus mit dem er sich von „mr. socialism“ verabschiedet, macht negri so harmlos, dass es wenig gewalt an namen und begriffen braucht um ihn in einem parallelismus mit willy brandt zu nennen. wie die bürgerliche presse jeden protest verdaut, indem sie sich entschlossen an die seite der „gewaltlosen demonstranten“ stellt, um im inneren, gerade in berufung auf die legitimität ihres anliegens, gemeinsam mit der polizei auf jene einzudreschen die man damit nicht meint, so erledigt der tazzist den kommunismus, indem er einen „kommunisten“ findet, in dessen namen man das projekt begrüßen, aber jede seiner formen ablehnen kann. man muss kein badiou-fan sein, um hinter der überschrift „großmeister toni trifft die badiou-zwerge“ die kleinbürgerliche schäbigkeit zu erkennen, die sich so oft hinter der forderung nach „humanistisch orientierter kapitalismuskritik“ verbirgt.

von einem der auszog, das lernen zu fürchten

eine wochenzeitung ist für sich genommen schon eine kreuzdumme unverschämtheit. gegenüber einer tageszeitung und dem gequassel des internets hat sie den nachteil, dass das jeweils dringliche meist schon nicht mehr drängt, in jedem fall aber schon sattsam bekannt ist. aber um sich so richtig reinzuknien, ein thema in allen facetten zu be- und durchleuchten, es vielleicht sogar ein wenig sacken zu lassen und nicht immer nur alles wie scheiße aus dem bauch raus zu dru/ücken, dafür reicht eine woche dann doch nicht. was bleibt, ist ein aufgedunsenes, bescheidwissendes allroundfeuilleton. als solches ist die wochenzeitung bei all jenen beliebt, die lange genug zitatsammlungen gelesen haben um zu wissen, das hegel die zeitungslektüre als „morgengebet des philosophen“ bezeichnet, aber weder die zeit noch die muße, vor allem aber nicht den schneid hatten sich zu überlegen, was das heißen soll. denn die wochenzeitung ist mit sicherheit kein morgengebet, also der mutige schritt seine wahrheiten dem sturm der tagesereignisse auszusetzen und welt und begriff aneinander auszurichten – stattdessen ist die wochenzeitung eine, oft unpraktisch große, hosentaschenfibel zum rechtbehalten: feuilletonisten aller couleur haben vorgekaut und mit enzymen versetzt, was man jetzt, ideologisch höchst nahrhaft und fast schadstofffrei seiner informationsverdauung zuführen kann. Die wochenzeitung ist, in einem satz, genau die falsche mitte zwischen einem moment und seiner aufhebung. auch deshalb, so kann man vermuten, ist sie so beliebt bei allem was sich bildungsbürgerlich dünkt: sie ist dem geschichtslehrer diskussionshilfe, dem arzt distanz zu seinen doofen patienten und dem student der schutzwall, hinter dem er und sein frühstück sich und ihren rotweinkater vor den allzu harten kanten der morgendlichen realität verbergen. eine Tankstelle für ‚geistreiche’ und ‚originelle’ gedankentrümmer, mit denen man am nächsten stammtisch brillieren kann, eine art organisiertere, weniger interaktive und deshalb effektivere blogsphäre (denn in der tat: im fall des web 2.0 sollte man fast uneingeschränkt froh über seine eingeschränkte wirkung sein).
eine solche institution muss die in der tageszeitung mühsam konstruierte unterscheidung zwischen meldung und kommentar nicht wiederholen: es wird ausschließlich kommentiert. aber der kommentar zerfällt in zwei: es gibt den, der einfach nur verurteilt und sagt wie’s richtig ist (die schreibt IMMER helmut schmid, zumindest ab zwei spalten artikellänge) und die reportahsch, die auch so ausgesprochen werden sollte. eine solche fand ich wieder, als ich die wochenzeitung der wochenzeitungen, die ‚zeit’ durchblätterte und mein auge an dem schönen bildchen ‚sympathische kommunistin’ von martin kippenberger hängenblieb. sie war nicht lang und versprach einsichten in die propaganda intellektueller für den kommunismus und so las ich:
„Vorwärts, Genossen!“ denn so war der artikel überschrieben. geschrieben war er von einem gewissen thomas assheuer, und der hat für studenten, zahnärzte und geschichtslehrer mal reschärschiert, was die kommunisten so treiben. gottseidank musste er dafür nicht ans band oder in die kneipenhinterzimmer – ein blick auf amazon oder in die „teufelsecke“ (assheuer) der nächsten universitätsbuchhandlung genügt, denn dort spucken sie wieder, „die erloschenen vulkane des kommunismus“ (luhmann via assheuer). wer da spuckt wird gleich genannt: zizek (der wirklich spuckt, aber das nur anbei), badiou, hardt, negri und thomas seibert. illustre und vor allem in weiten teilen inkompatible runde, die auf einer seite untersucht und erledigt werden will. das macht der herr assheuer so: er gibt die zentralen argumente im konjunktiv wieder. vorher hat er pflichtgemäß darauf hingewiesen, dass der ‚kommunismus’ hektakomben von toten hinterlassen habe, weswegen er zwischendurch auch im indikativ sagen darf, dass der kapitalismus mit den staaten katz und maus spiele. dabei streut er ein paar adjektive ein, nennt etwa die kulturelle diagnose (aller vier – irgendwie kriegt der die unter einen hut) konservativ und reaktionär, den kommunismus hardt und negris fröhlich – soweit kein einziges argument in sicht. aber „spätestens damit hört der kommunistische spaß auf“, denn: zizek halte chavez für eine lichtgestalt und der sei verehrer des „Judenhassers Ahmadinedschad“. nun hat zizek, was immer man von ihm halten mag, chavez dafür immer wieder kritisiert, die diplomatische nähe des iran gesucht zu haben, aber das stört keinen großen geist, zumal er uns ja auch ein zweites argument gönnt: badiou schwebe nämlich eine wahrheitspolitik vor, und das klinge ja schon ziemlich autoritär. soweit, so schlecht. aber eigentlich hätte das ja immer noch das zeug dazu, ein schlecht informierter kritischerkritikartikel zu werden, in dem man die eigene planlosigkeit wieder mal mit der verbohrtheit zusammengebastelter pappkameraden kaschiert. aber es ist ja nicht web 2.0, sondern eine wochenzeitung, weswegen am ende eine textgebrauchsanweisung in form eines schlusssatzes nicht fehlen darf: „Wäre es angesichts dieser Aussichten nicht besser, man würde dem Kapitalismus endlich Manieren beibringen und des mit dem liberalen Altmenschen noch einmal versuchen?“ die ganze repohrtasch hätte also unterbleiben können: eigentlich wollte man nur sagen, dass es frech ist, trotz hektakomben voller toter über den kommunismus schreiben, und das es doch schön wäre, wenn es trotz krise einfach weiter ginge wie bisher.
hätte der herr assheuer das so aufgeschrieben, dann hätte ihm das auch die peinlichkeit erspart, die hälfte der ablehnung auf einem falschen badiou-zitat (égaliberté mit gerechtigkeit zu übersetzen ist zieeeemlich hart) und dem autoritären klang des wortes „wahrheitspolitik“ aufzubauen, nur um dann zu fordern, dem kapitalismus „manieren beizubringen“, was nicht wirklich weniger autoritär klingt. Aber um die reaktionären, in ZEITungspapier gewickelten mumien des linksliberalismus noch mal ein wenig doller zu erschrecken: wir haben, ganz stalinistisch, auch aus diesem artikel eine anregung entnommen. wir werden „es“ mit dem liberalen altmenschen noch mal versuchen: ihn in der altpapiertonne der geschichte verschwinden zu lassen. sagt nicht, der assheuer hätte euch nicht gewarnt!

quod demonstrandum errat – verfahren wegen des brandes im kreishaus vor der einstellung.

nach informationen des göttinger tageblattes steht das verfahren wegen des brandes im kreishaus anfang diesen jahres kurz davor auch formal eingestellt zu werden – noch gibt es keinen beschuldigten, das verfahren richtet sich weiterhin gegen unbekannt. was sicherlich gute nachrichten für die menschen sind, die wenige tage nach dem brand von der polizei in ihrer wohnung überfallen wurden. da nun augenscheinlich die dunkelheit in der die behörden mit ihrem szenetypischenanschlagskonstrukt tappen so dermaßen finster ist, dass einige zusatzinformationen keine verdunklungsgefahr mehr bedeuten, wird uns, dem staunenden publikum, auch noch das eine oder andere schmankerl mehr serviert: so haben die legendären mantrailer-hunde, die durch eis und schnee noch nach tagen vom kreishaus bis in die rote straße gelaufen waren und mit ihrem bellen den genauen ort der polizeiaktion bestimmten, nicht nur fast schon überhundliche riechkräfte sondern haben auch eine gaaaaanz heiße spur verfolgt: geschnüffelt hatten sie an einem beschrifteten pappdeckel, der nicht nur von mehreren personen angefasst wurde, sondern auch überhaupt nicht am „tatort“ gefunden worden war. da die behörden also trotz ihrer schon fast bewundernswerten fantasie also zu wenig belastbaren ergebnissen kommen, wir ja aber die erfahrungen der letzten monate nicht einfach verpuffen lassen wollen, hier eine kurze zusammenfassung der, mit aller vorsicht zu genießenden, juristisch vermutlich nur mittelbelastbaren, bis jetzt zu schlussfolgernden ergebnisse, die kurzes nachdenken über das vorgehen der göttinger repressionsbehörden und ihres pressedienstes zulassen. „bewiesen wäre“:
1. dass szenetypische linke ganz szenetypisch was gegen abschiebungen haben (wenn die hunde wirklich noch nach fünf tagen riechen konnten, welche wege ein pappschild getragen wurde).
2. dass es augenscheinlich in der göttinger polizei karrierechancen gibt, wenn man der neuen direktive der innenminister folgt und sich als linkenfresser profiliert. das ist die charmante interpretation, alternativen wären:
2a. die göttinger polizei hatte persönliche rechnungen zu begleichen.
2b. die göttinger polizei ist so naiv wie sie sich gerne gibt.
– diese noch offene frage könnte sich aber klären, sobald es wirklich einen runden tisch gibt, an dem die „linken vorurteile“ gegenüber der polizei abgebaut werden sollen. da kann man dann bestimmt mal dem polizeipräsidenten auf die schulter klopfen und fragen: hey, was mir so auf der seele brennt – seid ihr einfach beknackt, karrieregeil oder nur reaktionär? ich bin sicher, das wird zu antworten führen, die die frage nicht zuletzt durch die wahl des mediums klären.
3. selbst der pressedienst der göttinger repressionsbehörden, das göttinger tageblatt, hat eine schmerzgrenze. egal wie sehr man versucht eine linke bedrohung zusammenzuschreiben indem man permanent polizeipresseitteilungen übernimmt – die realität weigert sich einfach den durch die kommentarspalten sabbernden reaktionären irrsinn, nachdem göttingen ein von linken schlägerbanden kontrolliertes nest der gewalt ist, auch nur ansatzweise zu bestätigen.
4. die kommentare, die das gt verfasst, dienen dazu, das offensichtliche noch einmal mit ein wenig ressentiment zu bepinseln. nachdem „toleranz anders aussieht“ wenn mitarbeiter der ausländerbehörde als rassistInnen bezeichnet werden, „alle seiten sich beruhigen“ sollten, nachdem die polizei, wie jetzt noch deutlicher wurde, aus völlig hahnebüchenden gründen durch das privatleben der göttinger szene trampelte, ist der „brandanschlag“ nun das werk von „frühpubertären“. naja, da wird die polizei wohl in den nächsten tagen die orientierungsstufe durchsuchen und nach szenetypischen utensilien wie tokyo-hotel tshirts suchen müssen.

was nicht geklärt ist:
1. was zur hölle an alleskleber und streichhölzern „szenetypisch“ ist.
2. worauf die kommentarspaltenfreikorps des gt jetzt ihren gerechten zorn des geprellten einfachen mannes richten sollen.
3. ob man bei der polizei auch für einen solchen griff ins klo befördert wird – einfach nur weil man’s den linken so richtig gezeigt hat.