die guten ins töpfchen, die schlechten ins köpfchen.

nach meiner roaring rampage gegen wochenzeitungen im allgemeinen und der zeit im besonderen sollte hier etwas selbstverständliches nicht verschwiegen werden: tageszeitungen sind in den meisten fällen keinen centimeter besser. im zeitungskiosk der wahl steht man wochentags vor der furchtbaren frage, welches verbrechen gegen sich und alles was einem heilig ist man begehen möchte, um das bedürfnis der zeitungslektüre zu befriedigen und den morgendlichen spaziergang zum zigarettenkaufen nicht allzu raucherschmachtmäßig aussehen zu lassen: die SZ, die keinen satz zu ende bringen kann, ohne „katastrophal“, „chaotisch“, „gigantisch“ und noch allerlei andere kraftausdrücke des bildungsbürgers zu verbraten? die JW, die nicht nur mitunter recht kryptisch den kampf zwischen reaktion und fortschritt, kapital und arbeit und weiß der kuckuck beschreibt ohne die akteure auch mal beim vor- und nachnamen zu nennen, was wegen der ebenfalls recht kryptischen rollenverteilung zwischen diesen, die sich aus der „analyse“ der redaktion ergibt, dazu führt, dass man bei einem artikel im auslandsressort mitunter nochnichteinmal weiß um welches land es geht, sondern vor allem einen unerträglichen sprachduktus pflegt? die FAZ, die in schönen, geraden und mitunter sogar informativen sätzen die vorhergenannten weit links liegen lässt? die lokalpresse, die weder schreiben noch recherchieren kann, aber immerhin die LOKALEN polizeipressemeldungen ungeprüft abtippt?
ABER: wie auch immer die wahl ausfällt, man geht zwar nicht unbeschädigt aus der situation, aber zumindest ohne TAZ in der tasche. das parteiblatt der grünen vereint auf kleinem raum zu hohem preis fast alle obengenannten nachteile mit den im letzten artikel angerissenen schwächen einer wochenzeitung. nun tauchte in meinen referers aber eine google-suche wiederholt auf, die meinen blog, aber eben auch einen tazartikel zu tage förderte, der unter dem schönen titel „Großmeister Toni trifft die Badiou-Zwerge“ eine fortsetzung der gesinnungshaftenden besinnungslosigkeit des assheuer-artikels versprach. und in der tat! auf kleinstem raum wird wiederholt, wofür assheuer eine ganze seite braucht:
das distanzierungsprogramm wird abgespult: „fehler und verbrechen der autoritären linken“, „antikapitalismus- und arbeiterklassen-kampfrhetorik“ – in den köpfen eines tazzisten scheint das so eng zusammenzuliegen, dass die vermutung naheliegt, der antikommunismus dieser geschmacksrichtung bourgeoisie käme demnächst auch ganz ohne antistalinistisches feigenblättchen aus. wie er denn zu haben sein soll, der kommunismus, wenn er nicht antikapitalistisch oder klassenkämpferisch erreicht werden soll? garnicht natürlich, aber so offen sagt man das dann doch nicht: denn man hat einen „kommunisten“ gefunden, der auf dem selben podium eine suppe präsentiert, die auch der taz schmeckt: toni negri. dass dessen analyse weniger „esoterisch“ daherkomme als die alain badious muss zwar als halbes argument herhalten, leuchtet aber vermutlich nur ein, wenn man entweder „empire“ nicht gelesen hat, oder sich in der grünen jugend das gehirn weggekifft hat. vermutlich ist es eher so: die „moderne globalisierungs- und kapitalismustheorie“ negris, also der begriffsbuddismus mit dem er sich von „mr. socialism“ verabschiedet, macht negri so harmlos, dass es wenig gewalt an namen und begriffen braucht um ihn in einem parallelismus mit willy brandt zu nennen. wie die bürgerliche presse jeden protest verdaut, indem sie sich entschlossen an die seite der „gewaltlosen demonstranten“ stellt, um im inneren, gerade in berufung auf die legitimität ihres anliegens, gemeinsam mit der polizei auf jene einzudreschen die man damit nicht meint, so erledigt der tazzist den kommunismus, indem er einen „kommunisten“ findet, in dessen namen man das projekt begrüßen, aber jede seiner formen ablehnen kann. man muss kein badiou-fan sein, um hinter der überschrift „großmeister toni trifft die badiou-zwerge“ die kleinbürgerliche schäbigkeit zu erkennen, die sich so oft hinter der forderung nach „humanistisch orientierter kapitalismuskritik“ verbirgt.


1 Antwort auf “die guten ins töpfchen, die schlechten ins köpfchen.”


  1. 1 fireandflames 07. Juli 2010 um 21:57 Uhr

    booooring. nicht mal was ueber fussball drin…

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