Denn links und patriotisch, das ist in bestimmten Kreisen offenbar nicht gewünscht.

wie das geht, sich kritisch anpinseln und dabei die gesellschaftliche hegemonie offensiv zu verdoppeln? spiegel online hat einen artikel (via: medienelite) geschrieben, der dies so offensiv tut, dass zu hoffen wäre, es handele sich dabei um ein lehrstück zu ebenjenem thema und nicht nur um eine besonders perfide variation des „wir-sind-eine-sowas-von-normale-nation-das-wir-jedesmal-zu-recht-fuchsteufelswild-werden-wenn-jemand-etwas-anderes-behauptet“– themas. wäre, denn es bleibt spiegel online. hier das strickmuster:

1. man suche sich eine tragisch portraitierbare figur – in diesem fall jemanden mit „afroamerikanischen wurzeln“ die wegen des tragens von deutschlandfarben ärger bekommen hat. in einem anderen fall kann das aber auch gerne ein schwuler katholik sein, oder, warum nicht? irgendeine figur an den übergängen halt, an der man seine gegner blamieren kann. denn sichtbar ist immer nur die entscheidung gegen die hegemonie, die entscheidung für die hegemonie verbirgt sich samt der inhärenten gewalt. so kommt man tolerant und weltoffen rüber.
2. man macht einen kategorienfehler, auf dem man die argumentation aufbaut. die sind gegen rassismus? aber die diskriminieren doch selber! beliebt auch: die sind gegen polizeibrutalität? aber die sind selber nicht gewaltfrei!
3. immer kritisch geben! dann bemerkt auch keiner den eigenen rassismus: „Ein Mann mit dunkler Hautfarbe bekommt Ärger – wegen seines Bekenntnisses zu Deutschland. Verkehrte Welt.“ verkehrt ist die welt, in der solche sätze gesprochen werden: jemanden ohne ansehen seiner herkunft, hautfarbe und seines geschlechts für den scheiß verantwortlich zu machen den er verzapft: das sollte selbst nach liberalen maßstäben das minimum sein. dahinter versteckt sich natürlich etwas anderes: jemand der eine „dunkle hautfarbe“ hat, kann, das weiß unser schreiber, niemals „richtig“ deutsch sein. deswegen freut es die linksliberale journaille ja so, wenn migranten, in eine eklige vorstellungsgesprächssituation mit dem ideellen gesamtdeutschen gezwängt, beteuern wie geil sie deutschland finden: der vorauseilende gehorsam wird zur absolution umgedeutet.
4. die immernoch nicht überzeugten als verbohrt darstellen. „Ihre Antwort ist knapp, aber von der Ausdrucksweise, wie sie für diese Szene seit Jahrzehnten typisch ist. Es sei nicht ihre Aufgabe, „politische Bildungsarbeit zu leisten“, heißt es. Außerdem verstünde man nicht, „warum sich Menschen überhaupt mit einem ausschließenden Kollektiv wie der deutschen Nation identifizieren wollen“.“ die antwort glänzt nicht gerade durch charme und esprit, aber deutlicher und einfacher kann man es doch einem spOn-journalisten eigentlich nicht erklären.

fertig ist die diskurssuppe. und die drecksarbeit der hegemonieborderpatrol? an die kommentarspalte outsourcen: „Wenn jemand sich nicht mit einem Land, der Kultur und dem gesunden Patriotismus identifizieren kann oder will, so muß er seine Konsequenzen ziehen und gehen. Denn das Wohl und Empfinden der Allgemeinheit steht über dem Einzelnen.“ das macht dann auch klar, was für eine verbissene, bierernste angelegenheit das ist, wenn deutsche sich entspannt selber feiern.


9 Antworten auf “Denn links und patriotisch, das ist in bestimmten Kreisen offenbar nicht gewünscht.”


  1. 1 Glamypunk 11. Juli 2010 um 23:27 Uhr

    Mal ganz davon abgesehen, dass „patriotisch“ für SPON in diesem Fall bedeutet, schwarz-rot-goldenen Nippes am Armgelenk zu tragen.

  2. 2 steile_thesen 12. Juli 2010 um 13:14 Uhr

    ganz besonders ärgerlich, dass selbsternannte antirassisten wie „Politblogger“ diesen quatsch nachplappern um ihr antilinkes ressentiment zu befriedigen.

  3. 3 Administrator 12. Juli 2010 um 13:45 Uhr

    @steile thesen: welchen quatsch? meinen, oder den von spiegel online? wenn ersteres: bitte ich um weitere erläuterung (denn dass der mich zitierte, ist mir nicht entgangen, aber keine weitere erwähnung wert). wenn letzteres: dass reaktionäre reaktionären scheiß nachplappern ist eigentlich nicht weiter verwunderlich, oder?

  4. 4 mthemba 13. Juli 2010 um 7:55 Uhr

    wenn wir – mal so nebenbei – wegkommen von „rassistischen“ Zuschreibungen bleibt eins: migranten und migrantinnen sind der regel oft menschen, die schon vorher z.b. einer bestimmnten elite angehört haben und damit oft auch autorität , patriotisch oder sonstwas sind, hat nichts spezielles , sorry, taz, mit dem „geilen Deutschland“ zu tun, ein polizist, der prügelt, ist ein prügelnder polizist, egal woher seine eltern kommen
    wenn wir weiterhin und das tun die linkspatrioten in keiner weise, endlich mal die aktuelle situation für viele menschen hier in diesem land sehen und endlich wegkommen von vergleichen mit irgendeiner vergangenheit , bleibt für viele täglich die frage, was denn so toll sein soll, wenn z.b. die armen noch ärmer und dabei auch noch beschimpft werden,
    und noch mal an die „tollen lieben patriot*innen“ — solange eure hymne und eurer flagge nur vergangenes konservieren oder gar hochgehalten werden( wo ist die neue „verfassung“ usw)-- interessieren sich die wirklichen Citoyen keinen deut für euch

  5. 5 Administrator 13. Juli 2010 um 10:18 Uhr

    ?

  6. 6 eigensinn83 14. Juli 2010 um 15:28 Uhr

    Schöne, lesbare Analyse, die sicherlich auch Leute erreicht, denen das bisher nicht so augenfällig war. Danke!

  1. 1 i heart digital life » links for 2010-07-12 Pingback am 12. Juli 2010 um 12:03 Uhr
  2. 2 Spiegel so dumm wie lange nich « der ganz alltägliche schwachsinn Pingback am 13. Juli 2010 um 0:27 Uhr
  3. 3 Links vom 29. Juni bis 12. Juli « meta . ©® . com Pingback am 28. Juli 2010 um 2:24 Uhr
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