Archiv für August 2010

ich bin dann mal weg.

auch wenn das schon seit längerem den anschein hat: der weltgeist macht jetzt sommerpause. a bientôt!

rotstiftgewichse I.

bei all der glorie, mit welcher der kritiker sich gerne umweht sehen würde, wenn er sich in der nähe großer themen aufhält, in der hoffnung etwas von deren substanz möge auf ihn hinunterbröseln, muss eines festgestellt werden: recht behalten ist recht und billig, vor allem aber: einfacher als recht haben. dass es einfacher ist, impliziert aber: immernoch ein minimum an fertigkeiten – auch recht behalten ist nichts, was einem nur per pose und protest zukommt. eine knallcharge von den sprachverhunzer_*innen der berliner assoziation für theorie und praxis“ hat dies mal wieder eindrucksvoll vorgeführt. judith butler hat der jungle-world ein interview gegeben, an dem es mit sicherheit einiges auszusetzen gibt, selbst wenn man bei der kritik auf der begriffsebene stehenbleibt, was der herr „machnow“ tut, weil politik sowieso eine ziemlich diskursive angelegenheit ist, bei unseren freunden von der assoziation. also schreibt er einen beitrag, in dem er sich die „paradoxen und sich zum Teil widersprechenden Worthülsen“ der frau butler mal so richtig zur brust nimmt. so wird sich zeilenlang daran hochgezogen, dass butler gesagt habe „natürlich“ sei ein haufen kritik an israel antisemitisch.

es gibt einige worte, die ich absolut nicht leiden kann und die aus einer emanzipatorischen sicht untragbar sind. „natürlich“ ist ein solches. es impliziert, daß irgend etwas ungwollt und vor allem unhinterfragbar so ist. so wird die soziale und politische genese von bestimmten diskursen und perspektiven ausgeblendet

sprichts und verübt im anschluss das sprachverbrechen:

dasselbe gilt auch für die interviewpartner_in, die ebenfalls eine „natur“ ins spiel bringt, wo besser diskursive begriffe angebrachter wären.

na dann. natürlich, lieber machnow, wären besser diskursive begriffe angebrachter, aber „natürlich“ ändert das wort bei butler nix, aber auch garnix, am argument – denn in diesem zusammenhang unterscheidet sich der gehalt von „natürlich“ kein jota von „selbstverständlich“, wobei das aus einer emanzipatorischen sicht, als die du dein interessiertes falschverstehen camouflagierst, natürlich anders aussieht.
mit leichtigkeit ließe sich dies an allerlei angeführten beispielen durchexerzieren – eine je etwas sperrige formulierung bei butler wird ein wust polemisch lackierter sprachunmöglichkeit bei machnow – aber es drängt sich ein ganz anderer verdacht auf: was, wenn sich hinter der fassade aus „sprachkritik“ und diskurspolizei (butler darf nicht „natürlich“ sagen, machnow aber „eunuchen“), etwas ganz anderes verbirgt? was, wenn das was den herrn machnow stört, in wirklichkeit nicht die „paradoxen, teils widersprüchlichen worthülsen“ sind, sondern wirklich das gesagte? kurz: was wenn der herr machnow sich einfach nicht von einer jüdin sagen lassen will, dass jüdische kritik an israel sich in anderen koordinaten bewegt als deutsche „israelkritik“, wie eben auch, dass sich eine kritik am sexismus und der homophobie im islam, die vom christentum schweigt, sich zum stiefelknecht von imperialismen macht, die am ende den sexismus und die homophobie der heimischen mehrheitsgesellschaft exportieren und stärken? kurz, wenn all das diskursgewische und sprachgepopel eines deutschen oberschülers einzig dem zwecke dient, zu vernebeln, dass judith butler zumindest klar formuliert hat, was sich die assoziation für theorie und praxis mal hinter die löffel schreiben sollte, nämlich dass eine radikale praxis immer wieder ihre ureigensten bedingungen prüfen muss – und zwar nicht durch einen breit grinsenden, selbstgefälligen blick in den spiegel. und so sehr es mich freut zu hören, dass machnow die großzügigkeit hat festzustellen:

butler ist bestimmt nicht antisemitisch, wie die taz behauptet. butlers israelkritik macht sie auch nicht zur selbsthaßenden jüd_in, wie einige hardcore antideutsche (deutsche) behaupten.

so sehr rätsele ich über die feststellung:

der antinationale und anarchistische standpunkt muß sehr sensibel gegenüber israel argumentieren.
butler tut dies schon, aber trotzdem für mich nicht bewußt und differenziert genug.

bis sich endlich alles erklärt:

das problem ist, daß sie aus einer amerikanischen perspektive argumentiert.

du, lieber machnow, bist eben doch nur ein über beide ohren selbstgefälliger depp. kein wunder, dass man aus amerikanischer perspektive nicht sensibel genug für deinen antinationalen, anarchistischen standpunkt argumentiert. aber dann versteck dich doch nicht hinter deinen oktavheften und denunziere andere ob deines eigenen antiisraelischen und antiamerikanischen ressentiments.

schützen wir die polizei!

sensible zeitgenossen wissen es schon lange: hinter dem propagierten kuschelkurs der linksliberalen gutmenschen in politik und polizeiführung, der sogenannten „deeskalation“, steckt ein perfider plan: die brd gibt ihre polizisten regelmäßig zur steinigung frei. gottseidank gibt es die deutsche polizeigewerkschaft und die gewerkschaft der polizei, die sich nicht scheuen, im notfall auch gegen syntax und formale logik mit aller härte durchzugreifen um die polizisten als das erscheinen zu lassen, was sie schon von anbeginn sind: opfer einer gesellschaft, die sie bepöbelt, bespuckt und prügelt. nur damit dann irgendwelche vernagelten kommunisten eine „demokratisierung der polizei“ fordern können. und die zeiten weigern sich bessere zu werden für unsere staatsbürger in uniform. nicht nur muss man sich fragen, wo die grundrechte der polizisten bleiben, nein, diese „rotlackierten faschisten“ (körting), die wie vergewaltiger („Das ist wie bei Sexualdelikten: Ist die Frau erst mal ausgezogen und vergewaltigt, dann fällt es anderen leichter, auch mitzumachen“ – sagte körting, der sich mit sowas augenscheinlich auskennt, über demonstranten am 1. mai 2009. war aber garnicht so gemeint. er wollte bloß steinewerfer moralisch verurteilen), über den unschuldigen ideellen, weiblich imaginierten leib der polizeikräfte herfallen, entblöden sich nicht, jetzt auch noch „verantwortung bei der polizei“ zu fordern.
das schlägt doch dem fass den boden aus! da ist man permanent in der gefahr auf demonstrationen ein echt fieses fiepen im ohr zu bekommen, und dann sowas! dann könnten sich ja demnächst meldungen wie diese häufen: da rutscht einem mal die hand bei so einem „demonstranten“ aus und man rückt einem journalisten den kopf grade. was soll man denn dann machen? natürlich unterstellt man dem körperverletzung und widerstand. wie säh‘ denn das aus, wenn man dem recht gibt? selbstverständlich spricht man sich ab um den reinzureiten, schließlich könnte man ihn sonst schlecht belasten, wenn er garnichts gemacht hat. und dann kramt so ein idiot das video raus? wie soll man denn in zukunft mit sowas umgehen?
aber noch hat die resignation nicht um sich gegriffen. noch ist sowas möglich. schön in die demo reinrocken, weil jemand mit kreide an eine wand schreibt und danach gleich noch die personalien von 5 anderen einsacken, weil die herbeieilten um die dame „zu unterstützen bzw. ihr zu helfen“, obwohl die dame sich doch schon „uneinsichtig und unkooperativ“ gezeigt hatte!
dennoch: solange die gefahr besteht, die armen, paramilitärisch ausgerüsteten und ideologisch verhetzten frontsoldaten im innern könnten für ihr tun und lassen zur verantwortung gezogen werden, so lange bleibt die forderung bestehen: aufrechte bürger und demokraten, schützen wir die polizei!