Archiv für November 2011

Didaktik

Eine gute Überschrift zu finden, eine griffige Formel, die alles Folgende zusammenfasst – das ist mitunter schwere Arbeit. Und so wollen wir nicht hintenanstehen, und den tapferen Recken, die für Frau Dr.1 Kristina Schröder das jüngste antikommunistische Hetzpamphlet zusammenschusterten, zu dem wahrhaft großartigen Titel gratulieren:

Demokratie stärken – Linksextremismus verhindern
(via mondoprinte)

prägnanter kann man das Elend des Antiextremismus nicht zusammenfassen. Fast wünscht man sich, dass aufgeweckte Schülerinnen und Schüler mit der in diesem Heftchen vorgeschlagenen Holzhammerdidaktik bearbeitet werden – und sei es nur, damit sie die zuständigen Lehrkräfte mit der Frage in Verlegenheit bringen können, wodurch genau sich eine so verteidigte Demokratie eigentlich von der „defekten Demokratie“ unterscheidet, in die eine Unterschätzung des „weichen Linksextremismus“ dem „Extremismusexperten“ Prof. Dr. Eckhard Jesse2 nach münden würde. Das wäre in jedem Fall eine interessantere Diskussion, als die, die sich an die überhaupt nicht tendenziösen, für den Unterricht vorgeschlagenen Aufgaben „Diskutiert in der Gruppe, ob es gerecht ist, dass ein Zehntel der Bevölkerung über 50 Prozent des Steueraufkommens leistet.“ oder „(…)belegt anhand der Texte die These, wonach nicht jeder Antifaschist ein Demokrat sein muss.“ anschließen könnte, zumal als Vorbereitung auf diese Aufgaben fast ausschließlich auf die tiefschürfenden Erkenntnisse des Verfassungsschutzes verwiesen wird – ja, genau dieses Verfassungsschutzes.

  1. Parallel zu ihrer Abgeordnetentätigkeit im Bundestag ab 2002 wurde Schröder bis April 2009 bei Jürgen W. Falter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Mainz nach der Vorlage einer Studie über Gerechtigkeit als Gleichheit promoviert, in der untersucht wird, wie sich die Wertvorstellungen der CDU-Bundestagsabgeordneten von denen der übrigen CDU-Mitglieder unterscheiden. Im Januar 2010 wurden Vorwürfe gegen Schröder laut, dass sie Teile ihre Dissertation durch Hilfskräfte anfertigen ließ. Anfragen nach ihrer Dissertation durch die Bild-Zeitung ließ Schröder durch ihren Anwalt mit Schmerzensgelddrohungen beantworten. Der Präsident der Universität, Georg Krausch, stellte klar, dass es keinen Hinweis auf ein mögliches wissenschaftliches Fehlverhalten der Kandidatin gebe, Zuarbeiten von Hilfskräften seien „wissenschaftlich legitim und im Rahmen vieler Dissertationen üblich“. Zudem waren der Doktorvater Falter und die Hilfskraft bereit, eidesstattlich zu versichern, dass alles korrekt ablief (Quelle: wikipedia)[zurück]
  2. „Kritik löste die These aus, der Nationalsozialismus habe in Deutschland einen „Modernisierungsschub“ bewirkt, wie sie in dem Sammelband Schatten der Vergangenheit von Backes und Jesse vertreten wird. Jesse vertritt hier, Antisemitismus und Rechtsextremismus seien „mehr Phantom als Realität“. Die Ursache für die Aufmerksamkeit in Bezug auf dieses „Phantom“ sieht Jesse unter anderem in der „vielfach privilegierte(n) jüdische(n) Position“ in Deutschland: „Jüdische Organisationen brauchen Antisemitismus in einer gewissen Größenordnung, um für ihre Anliegen Gehör zu finden und ihre legitimen Interessen besser zur Geltung zu bringen.“ Andere Autoren des Sammelbandes forderten, Deutschland solle aus dem „Schatten der Vergangenheit“ heraustreten. Der Politikwissenschaftler und Antisemitismusforscher Lars Rensmann verortet in seiner 2004 erschienenen, umstrittenen Studie Demokratie und Judenbild Jesse und seinen Koautor Uwe Backes im Umkreis der Neuen Rechten. Rensmann kritisiert einige Ideologeme Jesses, befindet aber auch, Jesse habe wenig Berührungsängste mit dem zur Neuen Rechten zugeordneten Hans-Helmuth Knütter gehabt, ohne dass sich jener allerdings so weit nach rechts wie Knütter bewegt hätte. (Quelle: auch wikipedia, ist ja keine Doktorarbeit) [zurück]