Archiv für April 2012

Gewaltiger Unfug

und wieder eine Perle aus dem Schweinetrog der Öffentlich-Rechtlichen. 3:25 Minuten geballte Unfähigkeit das eigene, notdürftig als Bericht getarnte Ressentimentsgewurschtel in Sätze zu kleiden, die nicht permanent das Gegenteil von dem sagen, was sie sagen wollen.

Der Spaß beginnt schon mit dem Untertitel des Videobeitrages:

Manöverziel heute: mit gewaltigem Unfug den Ungehorsam gewalttätig erscheinen lassen. Gleich zu Beginn kommen große Wörter: von „Krawallmachern“ ist die Rede, eine „Demo der Kapitalismusgegner“ wolle „Frankfurt heimsuchen“, der „Einzelhandel sei alarmiert“. Aber das ist nur der Teaser. Richtig schön wird es erst, wenn endlich wieder die Gewaltfrage herangezogen werden kann: und zwar an den Haaren. Da hat man nämlich auf der offiziellen Seite des „Blockupy“-Bündnisses eine Stelle gefunden, an der es heißt, man nehme sich das Recht, körperschützende Materialien bei sich zu führen. Und das nennen die passiv! Ereifert sich die Journalistin. Dabei ficht sie nicht, dass genau das der Name ist, den auch die Gesetzgeber dem Kinde geben: passive Bewaffnung. Bon, aber man empört sich ja grade so schön.
Da kann der Sprecher der GdP auch nicht mehr an sich halten und poltert heraus:


Wenn man aufruft, dass man Schutzausrüstung mitbringt, führt man im Zweifelsfall im Schilde auch dass man gewaltbereit ist, dass man sich mit Gewalt auseinandersetzen will und das lehnen wir deutlich ab und insofern haben wir hier in der Tat auch die ersten Anzeichen dafür, dass es wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen könnte.

Was der Herr sagen will, ist dummes Zeug, nämlich, dass wer sich nicht schutzlos in den Knüppelkorridor seiner Kollegen stellen will, ein potentieller Gewalttäter sei. Wenn Schutzkleidung ein Indikator für Gewaltbereitschaft ist, dann muss man sich über die Prügelorgien seiner quasi in Ritterrüstung auftretenden Klonkriegerkameraden nicht wundern. Was er aber sagt, das ist schlauer als die Polizei erlaubt: Weil man sich seitens der Polizei weigert, sich mit Gewalt auseinanderzusetzen, wird es vermutlich wieder zu welcher kommen.

Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken. (Karl Kraus)

Ähnlich unsympathisch aber etwas eloquenter und vor allem deutlicher äußert sich der Ordnungsdezernent der Stadt: da ist von Gewalt, die ja immerhin die Hauptempörungsressource der Journallie auch in diesem Beitrag war, schon garnicht mehr die Rede:

Frankfurt wird nicht lahmgelegt, da sind wir ja auch im engen Schulterschluss mit dem Polizeipräsidium, Frankfurt am Main ist eine Stadt, die sehr froh ist, dass sie wirtschaftlich stark ist und das werden wir auch weiterhin schützen, das ist garkeine Frage.

Noch Fragen?

Weggetreten!

Um wen es heute geht? Naja, vielleicht zunächst ein paar Tipps: In der Bundesrepublik gibt es eine Reihe von Kräften, die ein schwieriges, ein unklares, ja vielleicht sogar ein positives Verhältnis zur Gewalt haben. Die das Gewaltmonopol des Staates wenn nicht offen in Frage stellen, so doch mit einem Augenzwinkern meinen ignorieren zu können. Und eine davon ist im Begriff, ihre heilige Schrift in jeden deutschen Haushalt zu liefern. Richtig, ich spreche von der Springer-Presse. 1

Beim Stöbern durch die Weiten des Internets stolperte ich heute unversehens über eine Bild-Fotostrecke zur M31-Demo.2 Neben allerlei die zarte Seele Verstörendem („Schlagstöcke raus! Mit vollem Körpereinsatz musste die Polizei gegen Chaoten vorgehen“) oder Lustigem („völlig irre? Ein Vermummter schleudert einen Klappstuhl gegen den Eingang des Römer“) war es vor allem ein Bild, dass es mir angetan hatte:

Nach kurzem Staunen darüber, dass die Bild die bisher einzige mir bekannte Zeitung3 ist, die sowas im Zusammenhang mit Frankfurt veröffentlicht, wird einem der echte Knaller erst beim zweiten Hinsehen klar. In der ganzen Fotoserie ist nur ein Gesicht, und zwar dasjenige eben dieses Mannes, der einen Demonstranten tritt, unkenntlich gemacht. Und egal, wie viele mögliche Gründe man für eine solche Maßnahme in Erwägung zieht, eigentlich bietet sich nur eine Erklärung an: Gewalt gegen sogenannte „Chaoten“ durch Nichtpolizisten ist in den Augen der Bild eine besonders schützenswerte Tätigkeit.

Eigentlich nichts außergewöhnlich, sondern eher etwas exemplarisch-ekliges.

  1. http://www.tagesspiegel.de/meinung/grosse-werbeaktion-ich-will-die-bild-nicht-in-meinem-briefkasten/6106382.html [zurück]
  2. http://www.bild.de/regional/frankfurt/demonstrationen/frankfurt-wurde-zum-schlachtfeld-23445382.bild.html [zurück]
  3. Hier sei ein kurzer Kommentar gestattet. Die Presse ist zum Kotzen. Ich fordere die allgemeine Freiheit von der Presse nicht erst seit gestern. Die Bild ist auch diesesmal mitnichten die einzige Zeitung, die sich danebenbenommen hat. Eigentlich war sie noch nichteinmal die schlimmste. Aber auf so augenöffnende Weise dämlich zu sein, das hat in meinen Augen nur die Bild hinbekommen. [zurück]