Weggetreten!

Um wen es heute geht? Naja, vielleicht zunächst ein paar Tipps: In der Bundesrepublik gibt es eine Reihe von Kräften, die ein schwieriges, ein unklares, ja vielleicht sogar ein positives Verhältnis zur Gewalt haben. Die das Gewaltmonopol des Staates wenn nicht offen in Frage stellen, so doch mit einem Augenzwinkern meinen ignorieren zu können. Und eine davon ist im Begriff, ihre heilige Schrift in jeden deutschen Haushalt zu liefern. Richtig, ich spreche von der Springer-Presse. 1

Beim Stöbern durch die Weiten des Internets stolperte ich heute unversehens über eine Bild-Fotostrecke zur M31-Demo.2 Neben allerlei die zarte Seele Verstörendem („Schlagstöcke raus! Mit vollem Körpereinsatz musste die Polizei gegen Chaoten vorgehen“) oder Lustigem („völlig irre? Ein Vermummter schleudert einen Klappstuhl gegen den Eingang des Römer“) war es vor allem ein Bild, dass es mir angetan hatte:

Nach kurzem Staunen darüber, dass die Bild die bisher einzige mir bekannte Zeitung3 ist, die sowas im Zusammenhang mit Frankfurt veröffentlicht, wird einem der echte Knaller erst beim zweiten Hinsehen klar. In der ganzen Fotoserie ist nur ein Gesicht, und zwar dasjenige eben dieses Mannes, der einen Demonstranten tritt, unkenntlich gemacht. Und egal, wie viele mögliche Gründe man für eine solche Maßnahme in Erwägung zieht, eigentlich bietet sich nur eine Erklärung an: Gewalt gegen sogenannte „Chaoten“ durch Nichtpolizisten ist in den Augen der Bild eine besonders schützenswerte Tätigkeit.

Eigentlich nichts außergewöhnlich, sondern eher etwas exemplarisch-ekliges.

  1. http://www.tagesspiegel.de/meinung/grosse-werbeaktion-ich-will-die-bild-nicht-in-meinem-briefkasten/6106382.html [zurück]
  2. http://www.bild.de/regional/frankfurt/demonstrationen/frankfurt-wurde-zum-schlachtfeld-23445382.bild.html [zurück]
  3. Hier sei ein kurzer Kommentar gestattet. Die Presse ist zum Kotzen. Ich fordere die allgemeine Freiheit von der Presse nicht erst seit gestern. Die Bild ist auch diesesmal mitnichten die einzige Zeitung, die sich danebenbenommen hat. Eigentlich war sie noch nichteinmal die schlimmste. Aber auf so augenöffnende Weise dämlich zu sein, das hat in meinen Augen nur die Bild hinbekommen. [zurück]